Gary Moore

Gary Moore: Ein Leben für den Blues

Eine Dokumentation von Zausel Records, 2011
Zusammenstellung und Moderation: Norbert Hesse

Einführung

Als das britische Musikmagazin Uncut vor fünf Jahren ein Sonderheft mit den 100 wichtigsten Gitarren-Helden herausbrachte, suchte man den Namen von Gary Moore vergeblich. Unter Moore tauchte nur Scotty Moore auf, ein Rock-‘n’-Roll-Musiker, der in den 50er-Jahren massgeblich zu Elvis Presleys Erfolgen beigetragen hatte. Von Robert William Gary Moore, geboren am 4. April 1952 in Belfast, Nordirland, dagegen keine Spur. An seinen technischen Fähigkeiten kann es nicht gelegen haben, dass der Nordire keinen Platz in dieser Helden-Phalanx gefunden hat – eher schon an seinem Hin- und Herwechseln zwischen verschiedenen Stilen.

In Europa wurde er zum Star, als 1990 sein Album “Still Got The Blues” herauskam. Darauf coverte er eine Reihe von Blues-Standards, hatte aber auch ein paar eigene Songs geschrieben. Gerade das langsame und mit viel Gefühl gespielte Titelstück bescherte ihm eine Menge Fans, aber nicht gerade das Wohlwollen der Kritiker. Als “Schmuse-Blues” wurde der Song abgetan, als massentaugliche Konfektionsware, die mit den afroamerikanischen Ursprüngen des Blues nichts zu tun hatte.

In Deutschland hatte man von dem lockigen Gitarrero bis dahin kaum etwas gehört. Nur in Hardrock-Kreisen war der Name Gary Moore den Fans geläufig: Als 16-Jähriger hatte er die Hardrock-Band Skid Row gegründet und traf auf Phil Lynott. Der wiederum war mit den Kneipenrockern von Thin Lizzy (“Whisky In The Jar”) sehr erfolgreich. Moore spielte vier Monate als Aushilfsgitarrist bei Thin Lizzy, war aber trotzdem mehr an der eigenen Karriere interessiert als daran, die Songs anderer zu spielen. Zehn Hardrock-Alben nahm er zwischen 1973 und 1989 auf, mit stagnierenden Verkaufszahlen. Erst dann widmete er sich seiner zweiten großen Liebe: dem Blues. Platz 3 erreichte er in der deutschen Hitparade, 31 Wochen hielt sich sein Album in den Charts. Die Konzerte waren meist ausverkauft.

Ein paar Jahre lang spielte Gary Moore ausschließlich den Blues. 1995 nahm er eine Platte unter dem Titel “Blues For Greeny” auf. Damit ehrte er sein großes Vorbild, den ehemaligen Fleetwood-Mac-Gitarristen Peter Green. Auf dem Album durfte er Greens Gitarre, eine Les Paul Standard aus dem Jahr 1959, spielen. Moore kam das wie ein Ritterschlag vor. Später kaufte er Green die Gitarre ab, damit sie “ein gutes Zuhause hat”. Doch die Karriere des Nordiren verlief weiterhin wechselhaft, er wandte sich wieder vom Blues ab und nahm Hardrock-Platten auf. Viele seiner Fans irritierte das. Von dem großen Ruhm der 90er-Jahre blieb nicht mehr viel übrig.

Sein letztes Album “Bad For You Baby”, 2008 erschienen, war wieder eine Bluesplatte, die sich durchaus mit “Still Got The Blues” messen konnte. Doch die Verkaufszahlen seiner CDs nahmen stetig ab, die Klubs, in denen er spielte, wurden immer kleiner. In diesem Jahr hatte Gary Moore wieder eine Tournee geplant, doch die wird er nicht mehr spielen können: Am Sonntag, den 6. Februar 2011 ist er im Alter von 58 Jahren in einem Hotel in Spanien überraschend im Schlaf gestorben – keinen Rock-‘n’-Roll-Tod, denn aus Drogen hatte sich Gary Moore nie etwas gemacht.

Intro – Gary Moore Special:  

Tracklist
Nr. Titel Interpret Jahr Album
01 Intro Norbert Hesse 2011 Gary Moore – Radio Special
02 Heading Home Again Skid Row 1970 Skid Row
03 Time To Heal Gary Moore Band 1973 Grinding Stone
04 Spanish Guitar Gary Moore 1978 Back On The Streets
05 Parisienne Walkways Gary Moore 1979 Back On The Streets
06 Roisin Dubh (Black Rose) – A Rock Legend Thin Lizzy 1979 Black Rose – A Rock Legend
07 You Gary Moore 1979 G-Force
08 Always Gonna Love You Gary Moore 1982 Corridors Of Power
09 Empty Rooms (Live Glasgow Apollo 14.2.1984) Gary Moore 1984 We Want Moore
10 Don’t Let Me Be Misunderstood Gary Moore 1984 Dancin’
11 Listen To Your Heartbeat Gary Moore 1985 After Hours
12 Out In The Fields Gary Moore 1985 After Hours
13 Johnny Boy Gary Moore 1987 Wild Frontier
14 Over The Hills And Far Away (12” Version) Gary Moore 1987 Wild Frontier
15 Blood Of Emeralds Gary Moore 1989 After The War
16 Still Got The Blues Gary Moore 1990 Still Got The Blues
17 Separate Ways Gary Moore 1992 After Hours
18 Cold Day In Hell Gary Moore 1992 After Hours
19 Where In The World BBM 1994 Around The Next Dream
20 The Same Way Gary Moore 1995 Blues For Greeny
21 I Have Found My Love In You Gary Moore 1997 Dark Days In Paradise
22 Fire Gary Moore 1999 A Different Beat
23 How Many Lies (Live In Montreux) Gary Moore 2001 Back To The Blues
24 The Prophet (Live In Montreux) Gary Moore 2001 Back To The Blues
25 Wasn’t Born In Chicago Scars 2002 Scars
26 That’s Why I Play The Blues Gary Moore 2004 Power Of The Blues
27 Ain’t Nobody Gary Moore 2006 Old New Ballads Blues
28 Thirty Days Gary Moore 2007 Close As You Get
29 Bad For Your Baby Gary Moore 2008 Bad For Your Baby
30 Enough Of The Blues (Live) Gary Moore 2001 Essential Montreux – CD5 – 2001
31 Outro Norbert Hesse 2011 Gary Moore – Radio Special